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Galerieklassische MalereiUrfeuer

Urfeuer



Tief im Inneren der Erde rumort es. Die Platten der Kontinente schieben sich grollend mit Getöse gegeneinander und driften aufeinander zu. Die kleinere neigt ihr Haupt, schiebt sich unter die größere, taucht ab ins feurige Magma des Erdkerns. Ein Stöhnen geht durch den Leib der Mutter Gaja. Alles schreit auf, als einst festes Gestein in unendlicher Hitze beginnt sich zu verflüssigen. Unsäglich langsam wird sie hinab gequält, sich aufbäumend, verzweifelt versuchend sich zu wehren und den ihr angestammten Platz zu verteidigen. Der Druck verstärkt sich – mehr und mehr zwingt sie die große Schwester hinunter in den See aus zäher Glut. Die krümmt den Rücken, will sich dagegen stemmen, will nicht das Schicksal der unendlich heißen Wogen teilen. Das Weh ist unbeschreiblich und alles in ihr schreit nach Befreiung von dieser Last. Ein winziger Funke Hoffnung bleibt ihr noch, ein letzter Ausweg! Sie besinnt sich auf den engen Kanal, den sie seit Jahrhunderten nicht mehr benutzen musste. Er ist die letzte Rettung diese Pein erträglicher zu machen…
Ein Mensch ohne Namen steht auf der Erden Rund und blickt hinauf zum blauen Himmel und in die blitzende Sonne. Lau ist dieser Nachmittag und er lächelt, zufrieden über sein bisheriges Tagwerk. Hoch steht der Weizen, die Oliven gedeihen prächtig und die Reben werden reiche Früchte tragen diesen Herbst. Sein Blick wandert über die Felder, die sich dahin ziehen bis an den Fuß des Berges, der ihm all diese Herrlichkeiten bescherte. Einem Impuls folgend, breitet er die Arme aus. Er hebt die Hände betend gen den mächtigen Hügel mit der eingesunkenen Spitze und dankt Demeter.
Er genießt die Ruhe. Welch eine unendliche Stille - zu still! Das Schnattern der Gänse in der Ferne ist verstummt, kein Vogel trällert sein lustiges Lied, die Schafe haben aufgehört zu blöken und selbst die Zikaden haben ihr unaufhörliches Lied eingestellt. Noch im Gebet gefangen, reißt er die Augen weit auf, denn der Boden zu seinen Fußen beginnt zu schwingen. Er vibriert mit solcher macht, dass er sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. Angstvoll fleht er die Götter an, ihm beizustehen, doch seine Worte verhallen ungehört. Wie die Wellen des nahem Meeres rast ein Kamm aus Erdreich auf ihn zu und reißt ihn von den Beinen. Nahebei reißt der sichere Grund auf und eine tiefe Spalte tut sich neben ihm auf. Er findet keinen Punkt mehr, den er fixieren kann, sich zu orientieren. Seine Welt ist aus den Fugen geraten. Das Strafgericht der Gottheiten hat eingesetzt. Verzweifelt sieht er nach dem Strand, der zu schäumen scheint. Brodelnd zischt es in den Wassern, die noch vor wenigen Minuten klar wie ein Spiegel in der Bucht lagen. Dampfende Säulen entsteigen der See und Nebelschwaden, geschwängert von salzigem und schwefeligem Duft ziehen über das Land. Nun wird er das Schreckliche gewahr. Sein verehrter Kegel wurde zur Pforte des Hades. Das hoch erhobene Haupt hüllt sich in rußigen Rauch. Schwarze Wolken umhüllen ihn und in der Schwärze speit er rot glühende Bäche aus, die mit unfassbarer Schnelle zu Tal fließen. Er hört die Schreie seines Weibes und der Kinder, als der Fluss aus rötlicher Flut durch die Türe schwappt. Abrupt enden diese und er wird sich trotz seiner Todesangst bewusst, dass seine Familie soeben ein jähes Ende gefunden hat. Tränen, heiß wie die Lava, rinnen ihm über das Gesicht. Er klammer ich am Boden fest, krallt sich in den Distelbusch, er allein ihm Halt gibt und bangt um sein Leben. Seine Lungen wollen zerspringen, als er säuerliche Luft atmen muss. Er schließt die Augen und macht sich bereit zum Sterben. Nach unbeschreiblich langer Zeit des Bangens ebbt die Tide aus Feuer ab. Ein alles verzehrender Strom aus glühendem Gestein, der an den Rändern bereits beginnt zu erkalten, wälzt sich ins Meer und lässt es verdampfen. Doch der verfluchte Berg gibt endlich Ruhe!
Er hat überlebt! Doch zu welchem Preis?
19.05.2008 16:05
Urfeuer
von alexsnehotta
Technik/Medium/Format: Acryl auf Leinwand, 40 x 50 cm
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