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?Ich hatte zeitlebens ungeheuren Spaß daran, aus der Phantasie Wirklichkeit erschaffen zu können. Das kommt vielleicht daher, dass ich das Glück hatte, als Kind noch mit Schlamm spielen zu dürfen?, sagt er. ?Mit dem Medium Farbe habe ich einen Weg gefunden, meine eigene Welt zu gestalten.? Aus der Sicht der durchweg wohlmeinenden Kritiker ist diese Welt ?phantastisch? bis ?surreal? ?tiefenpsychologisch?, ?ironisch?, ?grotesk?, ?witzig?, ?zornig? - in jedem Fall ?spannungsgeladen? wie der Mann, der sie geschaffen hat. Die Bilder selbst ? so die Expertenmeinung - erinnerten an klassische mittelalterliche Tafelbilder, mit viel Liebe zum Detail und unglaublicher Leuchtkraft. Die wiederum entsteht durch Heinrich Wagners bevorzugte Maltechnik: Schicht für Schicht setzt er auf der Leinwand verschiedene Farben übereinander, die zu guter Letzt genau den Farbton ergeben, den er von Anfang an im Kopf hatte. Warum er gerade diese Methode wählt? ?Weil sie mich, der ich im Alltag oft sehr hektisch bin, zur Langsamkeit zwingt?, erklärt er. ?Jede Schicht muss erst trocknen, ehe ich weitermachen kann. Daher dauert es meist Wochen, oft Monate, bis ein Bild fertig ist.? Fertig heißt in diesem Fall auch: Deckungsgleich mit dem, was der Schöpfer schon seit langem vor seinem inneren Auge sah. Ob aus Gesprächen oder beim Lesen ? etwa des ?Rolandliedes? - für Heinrich Wagner verwandelt sich alles, was er hört, riecht, schmeckt oder fühlt in Bilder. ?Mein Kopf ist voll davon?, erzählt er. ?Gott sei Dank . Da besteht wenigstens keine Gefahr, dass mir die Themen ausgehen.? Ein weiteres Talent des Bildermachers, wie er sich selbst nennt: Im Schauen sehen. Noch kleinste Einzelheiten nimmt er wahr und speichert sie ? natürlich in Bildform ? ab, um sie Jahre später aus dem Depot zu holen, als Botschaft zu formulieren und auf Leinwand festzuhalten. ?Schließlich male ich nicht primär für mich?, sagt Heinrich Wagner. ?Ich will etwas mitteilen.? Etwa seine tiefsten Empfindungen: die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Angst vor Verletzungen, Wut und Zorn über den Zustand der Welt. Das Coming- Out seines Innenlebens ist mitunter so düster , dass Galeriebesucher schon mit Beklemmungen das Weite gesucht haben. Er nimmt?s gelassen. Immerhin steht damit fest, dass seine Botschaft angekommen ist. Und noch einen Grund gibt es, warum er, der Wortgewaltige, lieber zu Pinsel und Farbe greift denn zur Feder: ?Die Bildsprache lässt mehr Deutungen zu, als jeder Satz?, erklärt er und liefert gleich das passende Beispiel: ?Wenn Sie zu einer Frau sagen, ich liebe Dich, dann bleibt da nicht mehr viel Spielraum. Aber wenn Sie der Frau eine rote Rose schenken, ist es an ihr herauszufinden, was damit gemeint ist.? Barbara Ruhland über Heinrich Wagner
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