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ForumEpik & DramatikKunst, eine Reflexion

Kunst, eine Reflexion


11.08.2011 07:13

Da Vincis Mona Lisa gilt als Bildnis einer der schönsten Frauen der Welt. Es gibt und gab die Nofretete, Liz Taylor und andere, wie beispielsweise und ganz besonders die Liebste.
Schönheit war in der Antike nach Gesichtspunkten der Harmonielehre definiert.
Gottfried Benn hat mit seinem Morgue Zyklus eine Ästhetik morbider dunkler Schönheit geschaffen, die äußerst kontrastiv zu den klassischen Prinzipien eine eigene Dynamik entwickelt. Quasi eine Schönheit des Hässlichen. Großartig, mit inbegriffenem innerem Schütteln, nenne ich das an bestimmten Stellen. Irgendwie auch bodenstämmig. Letztlich hat er damit auch die Sezierarbeit im Leichenschauhaus von Paris verarbeitet, welche seiner jungen Pfarrersohnseele vermutlich schwer zusetzte.
Reales Leben, also Leben ohne Droge, hat immer auch einen „therapeutischen Effekt“. Das bedeutet, dass Arbeit jedweder Prägung im weitesten Sinn quasi als therapeutisch angesehen werden kann. Arbeit hilft also dem Menschen, auch weiter. Arbeit und entsprechende Pausen sind zwei Enden einer Achse. Eine dem Leben immanente Form der Selbst - Behandlung.
Erfolg hat damit zunächst überhaupt nichts zu tun. Auch der Terminus Pflicht/en hat einen anderen Kontext. Arbeit meint, die Dinge zu tun, so wie sie sich an dieser Stelle, in diesem Augenblick darstellen. Und genau das gilt für das Schaffen eines Kunstwerkes.
Da Vincis Arbeit der Mona Lisa hat zu einem eigenen Sicherheitsverschluss dieses Bildes geführt. Heute steht es tief im Louvre gesichert. Oben wird an einer gut gemachten Kopie vorbei defiliert. Die einzelnen Ereignisse, die zu dieser Handhabung führten, haben vielen Menschen Arbeit verschafft. In der einen oder auch anderen Richtung.
Ein begnadeter Künstler arbeitet den „Moment“ heraus. Dies entspricht zumeist dem Selbstanspruch seiner Arbeit. Wie dieser „Moment“ sich darstellt, also welche Wichtigkeit oder Wertigkeit dieser Künstler seinem Kunstwerk gibt, ist zunächst völlig offen und unbedingt, aber auch bedingt individuell verschieden. (Es darf also auch die Reproduktion einer Fotografie in vielleicht Öl sein. )
Insofern gibt es im Anschluss immer unterschiedliche Betrachtungsmöglichkeiten eines Kunstwerkes.
Da Vincis Mona Lisa wird vor allem unter dem Schönheitsaspekt bewertet. Das ist durchaus legitim. Das Bild hat jedoch auch eine Reihe anderer Dimensionen. Dazu gehören auch autotherapeutische des Malers und zwar so betrachtet, dass da Vinci sich mit Sicherheit von persönlichem Frust und Enttäuschung mit diesem Bild innerlich zu befreien versuchte und konnte.
PP, also Pablo Picasso ist bekannt für seine neuen Serien in Verbindung mit neuen Musen. Musen können auch gegenständlich sein.
Wenn keine inneren Lichter gezündet sind, wird ein Künstler es schwer haben, zu produzieren. Pausen, auch künstlerische, gehören somit auch zur Arbeit.
Die Anfertigung eines Werkes ist ein Anspruch eines Künstlers, also in diesem Sinne seine Arbeit.
Der sogenannte „große Strich“, also das Hingeworfene, das aus dem künstlerischen Bauch kommende, sei oft das Beste, ist ein unumstrittener Standpunkt. Beispiel: Morgue Zyklus von Gottfried Benn.
Ob im Anschluss der Betrachter sich die Schönheit, das innere Schütteln, oder tiefer gelegene Aussagen weiterer Ästhetikaspekte zu Herzen nimmt, ist unabdingbar seine persönliche Angelegenheit.
Es kann und darf nicht vorgegeben werden.
An sich machen verschiedene, vor allem kritisch sich am möglichen künstlerischen Impetus entzündende Betrachtungsweisen ein Kunstwerk rund oder runder. Dazu gehören unter anderem künstlerische Auseinandersetzungen nicht nur mit der Schönheit sondern auch mit dem jeweiligen Zeitgeist und politischen und soziologischen und weiteren Brennpunkten.
Ob in kleinem oder großem Stil, sich vollziehende Bewegung nach dem Input des Schauens/Hörens ist immer auch ein Zeichen für gelungene Kunst.
Der persönliche Impetus des Künstlers bekommt hier einen insofern untergeordneten Stellenwert, weil Schaffen und Betrachten zweierlei sind.
Anders formuliert, auch sogenannte negative Kritik kann viel Gesicht geben. Sie lässt sich jeweils im Einzelnen nach der Hegelschen Philosophie in eine neue These postulieren, mit möglicher Anti- und neuer Synthese.
Soviel Bewegung ist schlicht lebendig.

Dorothea Herweg Donnerstag, 11. August 2011

12.08.2011 16:54

-
Verborgenes kann vieles verbergen, im suchen danach, werden Geheimnisse gelüftet und die wahre Schönheit offenbart sich in der Erkenntnis.LG Anton

01.11.2011 13:36

...wie wahr, lieber Meister Anton
und ein beeindrucktes Dankeschön für diesen Beitrag.

Liebe Grüße von Dorothea

01.11.2011 13:41

P.S. Das hier jüngst eingestellte Werk "Alte(r) Meister" des Künstlers zullr
wäre zu dem ersten Satz ein Beispiel mit einer männlichen Erweiterung hinsichtlich auch schöner Männer.
Als ich das obige Essay schrieb, hatte ich solch ein Bild noch nicht entdeckt und damit dann paradigmatisch verfügbar.

Liebe Grüße an alle Leser, Dorothea
kitkat
01.11.2011 13:59

Oh aber ja,
auf jeden Fall,
denn schöne Männer
braucht zwar nicht das Land,
aber wir Frauen haben auch gerne was für's Auge-

Prima Dorothea, gut das Du darauf gekommen bist
und gut,
das der alte Meister so schön von zullr dargestellt wurde.
Gratulation an alle, auch an das Model.

01.11.2011 16:56

-
huiiii!
kitkat
01.11.2011 18:10

-
...da biste platt was? schmunzel schoko
Wanderbär
13.12.2011 09:01

-
Wenn die Neugierge zuwachesn scheint wird Wissen daraus und Menschen mit Kunstwerken oder Objekten werden erst dann wertvoll, wenn man sich damit beschäftigt.

13.12.2011 10:24

Danke sehr und wie wahr,
lieber Wanderbär.

Es erfreut, wenn Epikbeiträge interessieren.
Liebe Grüße von Dorothea

 


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