Wann ist etwas Kunst? Entsteht Kunst nur im Auge des Betrachters? Wie ist die Tatsache zu bewerten, dass große und avantgardistische Kunst immer erst mehrere Jahrzehnte braucht, bis sie sich durchsetzt. Was, wenn sie sich niemals durchsetzt? Wenn Van Gogh sofort vergessen und von niemandem wertgeschätzt worden wäre, wären dann seine Werke keine Kunst, weil es an Betrachteraugen fehlte? Wenn man solch einen Standpunkt bejahte , hieße das in der Konsequenz, dass ein Urteil "Kunst ja oder nein" einer demokratischen Abstimmung unterläge. Wären bei einer solchen Abstimmung die Abstimmenden nur dumm genug, könnte Kitsch für große Kunst gehalten werden und einer wie Van Gogh würde gänzlich untergehen.
Was soll man davon halten, dass Volksmusikfans die Amigos oder w. Herzbuben "für geniale Künstler halten" und vielleicht nur wenige von ihnen Beethoven mögen und das vielleicht auch nur, weil dieser Name einen besonderen Ruf genießt. Was bedeutet dieses Phänomen für die Kunst Beethovens? Ist sie weniger inspirierend? Schließlich vermag sie weniger Menschen zu inspirieren als das bei Volksmusik oder Schlager der Fall ist.
Was wäre, wenn es nur 2 Menschen auf der Welt gäbe. Einer ist Beethoven und der andere ein Musikliebhaber der partout nicht in der Lage ist mehr als Volksmusik zu verstehen. Wenn Kunst nur imAuge/Ohr des Betrachters entsteht, folgte daraus, dass Beethoven kein Künstler ist. Denn auf niemandes Empfängerseite entstünde seine Kunst.
Übrigens bedarf es gar nicht solcher Extrembeispiele. Leute wie F. Schubert oder A. Schoenberg wurden von ihren Zeitgenossen strikt abgelehnt, Jahrzehnte lang. In der Malerei ist es nicht anders.
Ob etwas Kunst ist oder nicht, ist m. E. dem Werk immanent und existiert wenigstens potentiell auch ohne Betrachter. Die Kunsteigenschaft geht nicht erst mit dem verständigen Betrachter auf das Bild über. Wäre es so, müsste bei einer theoretischen Verdummung der Menschheit allen hoch stehenden Werken die Kunsteigenschaft wieder abgesprochen werden können. - Ganz legitimer Weise, denn sie könnten ja niemanden mehr inspirieren. Solche Konstellationen ergeben sich tatsächlich immer dann, wenn totalitäre Regime die Macht ergreifen und alle Intellektuellen aus dem Land ekeln.
Gerade bei neuartigen Arbeitsansätzen ist es als zeitgenössischer Betrachter oft schwer Zugang zu finden. Eine natürliche Affinität und ein besonderes Verständnis sind nötig.
Dass Kunst im Auge des Betrachters entsteht, ist normalerweise eine behelfsmäßige Erläuterung inwiefern vom Künstler nur Angedeutetes "auf bekannter gedanklicher Schiene" vom Betrachter zu Ende gedacht wird und sich dann in dessen Kopf zu einem Gesamtbild abrundet.
Werden neue gedankliche Schienen befahren, wird die Angelegenheit schwierig.
Grüße,
Aaron.
30.10.2011 14:06
Um der Wahrheit die Ehre zu geben,
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