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ForumEpik & DramatikAbu al Nur, der Vater des Lichtes!

Abu al Nur, der Vater des Lichtes!


03.11.2011 08:34

Abu al Nur, der Vater des Lichtes

Safran, Myrrhe, Kiffel, Salbei, Pfeffer, Nüsse, Mandeln, Weihrauch, Rosenblätter…Jedes einzelne dieser Gewürze lässt allein durch den Duft Welten erkennen. Alle diese Düfte zusammen ergeben ein orientalisches Sternenreich. Forscht man nach eigenen Erinner-ungen, befindet man sich in einem Märchen.
In einer Seitengasse des Souks von Al Cham (Damaskus) befindet sich ein Gewürzladen, einer von vielen. An und für sich wäre das nichts Besonderes, wäre da nicht sein Besitzer. Der Mann sieht aus wie ein Methusalem. Sein Bart hat beachtliche Länge und das Gesicht, aus dem dieser Bart sprießt, ist wild zerfurcht, ja besteht eigentlich nur aus Falten. Das besonders Faszinierende an diesem Gesicht aber sind die Augen. Selten bekommt man Augen zu sehen, die so viel Weisheit, Güte und Ruhe ausstrahlen. Seine Kleidung ist typisch orientalisch und unter den wallenden Gewändern erahnt man einen aufrechten, asketischen Körper. Seine Bewegungen sind würdevoll und ohne jegliche Hast. Wenn er mit seiner Kundschaft spricht, tut er dies mit großer, beinahe übertriebener Höflichkeit.
Sein Geschäft geht gut. Leute verschiedenen Alters kaufen bei ihm ein. Sein Laden ist eigentlich nur eine Treppe zum Eingang einer alten, halb verfallenen Karawanserei. Hier stellt er seine verschiedenen Gewürzsäcke auf. Darauf und daneben legt er andere Köstlichkeiten: kristalline Zuckerstangen für naschhafte Kinder, getrocknetes Obst und eine Vielzahl verschiedener Nüsse.
Viele Menschen kommen vorbei. Bunt gekleidete Schwarze in glitzernden Kaftans, dicke Bäuerinnen aus dem Hochland, vermummt und eingehüllt in dunkle lange Kleider. Drusische Muezzins mit stolzem Blick und aufrechtem Gang, den weißen Fez am stolzen Haupt als äußeres Zeichen ihrer Würde. Handwerker, verschwitzt und ungepflegt, müde und gebeugt von der harten Arbeit. Buben und Mädchen, in deren Augen sich das Glitzern der Zuckerstangen widerspiegelt. Jeder dieser Menschen trägt ihm seinen Wunsch vor und jeder von ihnen – und alle hier nicht be-schriebenen – bekommt, was er begehrt. Jeder jedoch erst, nachdem er Antwort auf die Frage nach seinem Wohlergehen gegeben hat.
Mehr und mehr wird für den Betrachter diese Stätte heller und lichter. Man wird Zeuge von etwas Wunderbarem. Geht man hin und trägt seinen Wunsch vor, wird man gefragt: Kif haelak? – Wie geht es Ihnen? Und erst, nachdem man ihn des eigenen Wohlergehens versichert hat, mabsud tamam, il hamdullila, wird sich das faltige Gesicht des Alten zu einem zufriedenen Lächeln verziehen.
Diese selbstlose Freundlichkeit berührt ungemein. Wer hier etwas länger verweilt, kann sehr viel Weisheit nach Hause mitnehmen.
Lange kann man auf diesen Ort zurück blicken, ohne ihn mit den Augen suchen zu müssen. Es ist ein Ort, der von Menschlichkeit und Freude erhellt wird. Niemand hat nach dem Namen dieses Mannes gefragt. Er blieb unbekannt. Doch er könnte Abu al Nur gewesen sein, der Vater des Lichts.
kitkat
03.11.2011 10:25

Lieber Anton,
wie geht es Dir?
Für mich ist es keine leere Floskel die keiner Antwort bedarf,nur so dahin gesagt und unbeantwortet bleibt.
Das schöne an Deinen Geschichten ist das Du aus etwas ganz Banalem wie- in einen Laden gehen und Einkaufen- immer etwas Besonderes machst, wie im Märchen. Jedesmal wünsche ich mir innigst, das die Geschichte weiter gehen möge, so spinne ich dann meine eigenen Gedanken, und das ist Inspiration!
Danke Dir dafür! Hoffe es geht Dir gut, Jutta.

03.11.2011 10:50

Ach Jutta
Vielen Dank für Deine Zeilen. Wenn Du sagst das Du diese Geschichte für dich selber weiterführst ist das für mich die größte Anerkennung. Diese Geschichte ist nicht bloß eine Geschichte. Ich hab ds selber erlebt udn halt dann in Worte gefasst.lg Anton
zullr
03.11.2011 10:52

-
man kann die sehnsucht nach dem orient rauslesen........!
schön und berührend.....immer wieder!

03.11.2011 16:30

Danke
Roland!!!!!

04.11.2011 09:44

Ich könnte stundenlang weiterlesen und versinken in deiner Geschichte!!
Faszinierende, ferne Welt in deiner Schilderung. Das tiefe Erleben seiner Selbst ist spürbar, wenn man mit allen Sinnen unterwegs und dort Teil des Ganzen ist.

Einen herzlichen Gruß
Petra

04.11.2011 18:01

Vielen
Dank Petra! Ich feu mich das dir die Geschichte gefallen hat! Danke

06.11.2011 20:49

Wenn das Abendland zum Morgenland schaut,
fast versinkend in den Düften der Gewürze dieser Welt,
wenn sich der moderne "Westen" mit seinem hektischen Stress einhaltend vor den Ritualen der Höflichkeit - so er nach dem tradierten Orient schaut - anfängt zu erinnern,
wenn Gemächlichkeit asketische Kraft spiegelt

und wenn der Meister Anton metaphorische Elemente in orientalischer Manier mit Genitivmetaphern gespickt gegen ein Leben der Schnelllebigkeit und der Hetze als Bild des Friedens packt,
- dann lässt sich das Licht und sein Vater erkennen.

Fast ein Paradigma auf das verloren geglaubte Paradies.
Bravissimo und liebe Grüße von Dorothea

07.11.2011 14:14

Danke
liebe Dorothea! Du hast mir mit Deinen Worten neuerlich die Augen geöffnet um "Schönheit" in diesem Lichte zu sehen!LG Anton

 


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