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ForumEpik & DramatikStanislaw Lem`s Sterntagebücher.

Stanislaw Lem`s Sterntagebücher.


22.12.2011 21:58

Auf der Reise durchs Universum erfährt Tichy wer die Selpuken sind. Meine Begeisterung über dieses „Volk“ veranlasste mich nachstehendes Essay zu schreiben.

Wie ein Selpuken Alphabet sichtbar wurde.

Die Eigenart (Spezifikation) der Selpuken zu beschreiben ist sehr vielschichtig und benötigt eine umfassende Auseinandersetzung mit der eigenen Vorstellungskraft und der daraus resultierenden Akzeptanz des Unmöglichen einerseits und anderseits der logischen Denkweise eines fantasielosen (unkreativen) Menschen.
Die Selpuken, soviel ist sicher, sind universelle Geschöpfe die in vielerlei Gestalten, Gesten, Worten, Abläufen, Wirkungsweisen und manchmal auch Hindernissen ihr Dasein frönen. Sie sind meist unsichtbar und wenn man sie zu sehen bekommt, dann nur, wenn man selber dazu bereit ist sie zu erkennen. Das Sehen ist also mit Erkennen verbunden, gleichsam wie ein Student der oft Stunden ja wochenlang vor einer Formel sitzt und diese nicht versteht weil er die Zusammenhänge (das Wirken) nicht erkennt und in einem unvorhergesehen Augenblick das nötige Verständnis im Kopf des studierenden breit macht. In diesem Augenblick dankt man Gott oder anderen Kräften für die Erhellung des Geistes und merkt nicht dass da die Selpuken am Werk waren. Für Eingeweihte ist dies auch eine Gelegenheit diese für kurze Zeit zu sehen.
Selpuken sind überall dort vorhanden wo denkende Wesen zuhause sind, sie zu beschreiben ist unmöglich weil sie ständig (Situationsabhängig) ihre Seinsform ändern. Manchmal gehen sie eine Symbiose mit einem Geschehen ein oder aber auch mit geistigen Abläufen, und manchmal befinden sie sich auch in einem Medium. Ständig sind sie bemüht sich zu produzieren (sepulieren) und sie verbreiten sich meist in Form von Mitteilungen.
Selpuken sepulieren, das heißt sie verwenden ihre Sprache, ihre Symbole, auf eine ganz bestimmte Weise. Wenn man diese Mitteilungen (Sepulkaten) zu lesen bekommt, was sehr selten ist, weil diese sehr scheu sind, werden diese Sepulkaten von uns Menschen immer unterschiedlich interpretiert.
Eines Tages hielt ich in meiner Arbeit inne, es war mir so als würde noch jemand in meinem Atelier sein aber ich war alleine anwesend, niemand sonst war da. Ich arbeitete gerade an einem Gemälde welches eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Bilder einer Ausstellung“ beinhaltete das mir anlässlich einer Vernissage bei einem Künstlerfreund in den Sinn kam. Ich ging aus von einer schlichten Komposition die fünf Orientalinnen die an einer Wand befestigten Bilder betrachteten. Nun, wie gesagt nichts Aufregendes. Nach langwierigen Analysen und Hinterfragungen kam ich dann auch zu dem Entschluss das Ganze zu verwerfen und als einen misslungenen Versuch abzuhaken.
Wieder hatte ich das Gefühl nicht alleine zu sein und eigenartig berührt, drehte ich mich um um sicher zu sein das auch wirklich niemand da sei. Ich war alleine!
Missmutig über meinen misslungenen Versuch und berührt von dem Gefühl nicht alleine zu sein warf ich noch einmal eine Blick auf das halbfertige Gemälde und plötzlich überkam mich der Wunsch die negativen Räume, zwischen den Bilderbetrachtenden Frauen und den an der Wand hängenden Bildern, mit Schriftzeichen oder Symbolen zu füllen. Rasch entwarf ich diese geheimnisvolle Schrift mit Kohle ohne wirklich zu wissen was ich da tat. Ich ließ meine Hand walten als würde diese durch eine andere unsichtbare Hand geleitet. Erst viel später wurde mir bewusst dass dies meine erste Erfahrung mit den Selpuken war. Sie sepulierten, mich als Medium benutzend. Diese „Schriftzeichen oder Symbolen“ die meine unbedachte Hand dem Gemälde hinzufügten zeigten mir die Gedanken und Überlegungen die diese Frauen hatten die sie beim Betrachten der Bilder produzierten und wurden somit ein verbindendes Element vom Betrachter zum Bild und umgekehrt. Ich war begeistert über diese „Sichtbarmachung“ von Gedanken und Überlegungen. Zumal sie ja hervorragend ins Bildgeschehen passte.
Natürlich freute ich mich über den Einfallsreichtum der mich in dieser Situation überkam ohne zu merken dass dies gar nicht mein Verdienst war. Die Selpuken waren bei mir im Atelier zu Besuch und deswegen hatte ich das Gefühl nicht alleine zu sein.
Ich nutzte diese Gelegenheit und versuchte mit ihnen eine Unterhaltung zu beginnen. Aber wie? Ich wusste ja nicht ob sie mich auch verstehen können. Nach einigen Fehlversuchen (schreiben, sprechen, zeichnen…)gab ich es auf und zog mich gedanklich zurück, irgendwie etwas traurig. Ich wollte mich doch auch für die Hilfestellung bedanken.
In Gedanken versunken den ganzen Ablauf noch einmal analysierend, entstand in meinem Kopf immer wieder ein Bild das mich an einen Buchstaben erinnerte den ich früher einmal auf fantasievolle Weise zeichnete. Diesmal aber wurde mein Wunsch aus diesem Zeichen ein „A“ zu erkennen übermächtig. Langsam wurde mir klar das die Selpuken versuchten mich sepulativ zu manipulieren und dies mit Erfolg. Ich gab nach und in kurzer Zeit konnte ich auf diese Weise das Sepulken Alphabet in Erfahrung bringen.
Ich weiß nicht ob jemand anderer auch diese Chance bekam Einblick in die Selpuksche Kultur zu bekommen. Nun, da ich natürlich weiß wie unglaublich Vielfältig die Selpuken sind denke ich wird dieses Alphabet das ich in Erfahrung bekam wahrscheinlich nur für mich gedacht gewesen sein. Nach und nach lernte ich das Selpuksche Alphabet kennen und mittlerweile beherrsche ich dieses wie das meiner Muttersprache.
Es machte mir große Freude und brachte mir große Begeisterung an diesem Alphabet zu arbeiten und daraus auch Sätze zu bilden und kleine Kurzgeschichten, Gedichte und Aphorismen zu schreiben.
Obwohl ich jetzt die Möglichkeit hatte mit denen zu kommunizieren war die Unterhaltung doch sehr einseitig. Sie stellten mir nie Fragen sondern beantworteten nur meine und diese manchmal sehr kryptisch.

Trotzdem freute ich mich über die neugewonnenen Freunde die mir auch fortan mit Rat und Tat zur Seite standen.
Seit diesem Tag begrüße ich meine Selpuken Freunde jeden Morgen in meinem Atelier und nachdem ich herausfand auf welcher Ebene ich mich mit ihnen unterhalten kann wurden auch meine nachfolgenden Bilder auf dieselbe geheimnisvolle Weise angefertigt.
Wenn nun jemand mein Atelier besucht und meine neuen Bilder betrachtet spiegelt sich meist Unverständnis im Gesicht des Betrachters wider. Großteils aber auch Neugier was denn das alles bedeuten sollte. Dies wiederum zwingt mir ein Lächeln ab, ein glückliches Lächeln, weil ich einer der wenigen bin, wenn überhaupt der einzige, der diese Botschaften, Texte oder Symbolen versteht und sicher steht hinter oder neben mir ein Selpuken der mitlächelt.


A.N. ©2008

22.12.2011 22:22

...jetzt
ist mir ganz viel klar geworden und da muss ich ja regelrecht danken, dass Du diesen wundervollen und so spannenden Artikel hier zu meiner Freude gepostet hast.
So outen sich die Kunstwerke und ich kann in Zukunft direkt bei Deinen Bildern mit ´nem anderen Ansatz interpretieren.

Lassen sich diese Deine Freunde leasen? Das wäre sich für viele von uns hilfreich.

Danke für dieses schöne Essay
und liebe Grüße von Dorothea
kitkat
23.12.2011 10:03

*
Wieder so schön zu lesen...danke sehr. LG Jutta

23.12.2011 10:08

Danke
Dororthea, Danke Jutta! Meine Freunde sind sehr scheu!!!Leider!

23.12.2011 10:57

...da Du sie jedoch
ein wenig sichtbar gemacht hast,
werden sie leichter zu dechiffrieren sein.
Ich bin mir auch sicher, dass es in ihrem und Deinem Sinne ist.

Liebe Grüße von Dorothea
R
24.12.2011 14:28

komme
gerade mit dem buck aus der badewanne, fuer mich ist das alles 42! heheh ja dann weihnachten und so

Ho..Ho...Ho …

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24.12.2011 15:11

vielen Dank
R, wünsche Dir auch ein frohes Fest!!!Halleluja!!

 


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