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ForumDies und DasWas ist SCHÖNHEIT?

Was ist SCHÖNHEIT?


17.07.2007 09:53

warum Schönheit?
Geht es dir wirklich um Schönheit, Sicko?
Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, diesen Begriff so willkürlich auszuweiten. Kunst und Philosophie haben sich jahrhundertelang mit ihm befasst ? Schönheit ist dabei nie das öberflächlich Gefällige, das Modische oder das, was augenblicksgebundenen Bedürfnissen entspricht. Es ist ein zunehmend abstrakter Begriff, der in jedem Fall etwas Vollkommenes meint. Die künstlerisch gestaltete Schönheit ist dabei nur Ausdruck des geistig-moralisch Schönen.
Wenn ich sehe, Sicko, in welch doppeldeutigem Sinne du den Begriff ?schön? verwendest (dein Kommentar zu helstyr ? ?ohne Worte?), denke ich, ist das nur als sarkastisch oder gar zünisch zu werten.
Bereits in der Romantik im 19. Jh erfährt der Begriff mit der Erweiterung zur ?schrecklichen Schönheit? der Natur etwa, eine ironische Brechung. Bereits hier ist die Natur nicht mehr einfach schön, sondern Ausdruck von etwas Gewaltigem, ja auch Zerstörerischen. In der Folgezeit hat die Kunst sich entschlossen vom Schönheitskult abgewandt, und bewusst auch das Hässliche, Abgründige zugelassen, weil es eben auch zum Menschen gehört.
Es gibt allerdings auch heute noch solche Bilder, die diesem reinen Schönheitsideal verpflichtet sind ? wenige, und ich bewundere sie. Allzu leicht geraten sie aber zum Kitsch.
Aber es gibt keine Verpflichtung mehr für die Kunst, schön zu sein. Bilder, die andere Schwerpunkte setzen, sind nicht weniger wert!
Ich frage mich, warum viele von euch an diesem Klischee festhalten, Kunst müsse schön sein, was man dann nur durch solch abenteuerliche Verbiegungen des Schönheitsbegriffes (Schönheit ist eben rein subjektiv) hinbekommt.
Boxer
17.07.2007 10:49

-
@peterS

die "Schönheit" in der Kunst ist gegenproportional (sagt man das so auf Deutsch?) zu den Lebensumständen - siehe deutsche Filme aus den roaring 20s (Fritz Lang etc.), der Zeit des WW.II und kurz danach (kitschig schöne Heimatfilme) und dann in den wieder fetten 70ern (Gewalt- und Mordserien)

Der "salonfähige" Einzug des "Hässlichen" in die Malerei ist spätestens mit Albrecht Dürer und seinen realistischen Abbildungen von Söldnern, Krankheiten und Tod (hier ein Beispiel ) geschehen und daher nicht so modern wie es ein wenig in Deinem Posting anklingt - die Verpflichtung "schön" zu sein, hat es für die Kunst nie gegeben, m.E.



Off Topic - @Sicko : danke für den Tip - habe den Hang lebende Philosphen zu übersehen - laut Wiki ist "Zen and the Art of Motorcycle Maintenance" lesenwert? Werde ich mal nachgucken - Zen klingt schon mal gut
Sicko
17.07.2007 13:14

-
@Boxer: Lesenswert, ja.
"Lila" heißt glaube ich sein weiteres Werk. Ist das Bessere aber es schadet überhaupt nichts erstmal das Zenmotorrad gelesen zu haben.
@peterS: ich meld mich noch. Gerade ist hier mal wieder chronischer Zeitmangel angesagt.

22.07.2007 19:01

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@boxer
Was die umgekehrte Proportionalität der Kunst zur Zeitstimmung angeht, gebe ich dir recht. Da gibt es wohl ein menschliches Bedürfnis nach Kompensation.
- Ich denke aber nicht, dass sich damit der Schönheitsbegriff grundlegend ändert. Wie gesagt, in der Moderne ist alles darstellungswürdig und es wächst einfach die Bereitschaft, den Blick auch auf das Abgründige und Häßliche zu richten, wenn man sich selbst sicher oder allzu wohl fühlt.
Im Mittelalter war das anders. Da gab es das Häßliche, Leidvolle und Dämonische in der Kunst. Aber nicht, weil die Menschen es sehen wollten, sondern weil sie es sehen sollten. Kunst als Werkzeug zur Disziplinierung sollte die zu erwartenden Höllenqualen und Gottesstrafen möglichst drastisch ausmalen.
Was das von dir gewählte Beispiel angeht (A. Dürer, ?Ritter, Tod und Teufel?), so passt es nicht als Illustration dafür. Mit Dürer ist das Mittelalter schon vorbei. Sein Ritter ist nicht mehr real, ist auch kein blutrünstiger Landsknecht oder Söldner, wie du meinst. Es ist bereits das idealisierte Bild des christlichen Ritters, der, völlig unbeirrt durch die Schrecken und gar durch den Teufel seinen geradlinigen Weg geht. Er hat auch gar nichts Schreckliches an sich.

Was nämlich deine letzte These angeht, dass es in der Kunst nie eine Verpflichtung zur Schönheit gab (die übrigens noch heute in vielen Köpfen wirksam ist), das gilt eben doch genau für Dürer und mehr noch die idealistisch orientierte Zeit danach. Bis zum 19. Jh.

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