Galerieklassische MalereiKavenzmann

Kavenzmann

Kavenzmann

19.05.2008 07:50
74
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Technik/Medium/Format
Acryl auf Leinwand, 40 x 50 cm
Beschreibung
Auf der Brücke steht mit entsetztem Gesicht der Kapitän der MS Natascha. Oft hat er davon gehört, es doch immer wieder für Seemannsgarn gehalten. Doch nun sieht er es, will es nicht glauben und erschaudert bis ins Mark. Alles was er weiß, oder zu wissen glaubte, ist dahin. Sein Weltbild gerät ins Wanken und der Glaube an seine große Liebe, die See, beginnt zu schwinden.
Wahrhaftig - da ist sie... die einst so sehr von ihm belächelte Riesenwelle! 30, 40 oder gar 50 Meter türmt sie sich vor ihm auf und droht sein Schiff zu verschlingen. Nach diesem kurzen Schock, reißt er das Ruder herum und steuert, da er ihr doch nicht entfliehen kann, direkt auf sie zu und in sie hinein. Noch vor Minuten war der Himmel klar und das Meer so trügerisch ruhig; nun aber braust ihm das ohrenbetäubende Rauschen gewaltiger Wassermassen in den Ohren und all seine Instinkte sind nur mehr auf eines gerichtet: überleben. Im plötzlichen Dunkel sieht er in weiter Ferne blitzende Punkte. Ein Leuchtturm, selbst jetzt bei „lichtem Tage“ unaufhörlich im Einsatz. Einst ein Zeichen sicherer Zuflucht, eines bergenden Hafens, einer Passage durch unsichere Wasser. Im Moment doch nur noch ein Relikt aus glücklichen Tagen. Seine Augen heften sich auf diesen Born der Hoffnung und er hofft, noch ein letztes Mal, einen Blick auf das meerumbrauste, rot-weiße Mauerwerk solch eines Retters in höchster Not werfen zu dürfen.
Der gequälte Diesel heult auf, als er „volle Fahrt voraus“ befiehlt und der Bug beginnt in die haushohe Mauer aus salzigem Nass zu stechen.
„Gott sei unseren Seelen gnädig!“, murmelt er, als die Gischt wie tausend spitze Nadeln in sein Gesicht spritz und verzweifelte Schiffschrauben versuchen ins Wasser zu greifen, um den Frachter den steilen Hügel ohne greifbare Form erklimmen zu lassen. Heiße Tränen, Gedanken an die Heimat, Mutter, Frau. Nichts ist zu hören, als das Brüllen der unbändigen Gewalt der Welle. Winzig schaukelt das eigentlich stolze Schiff in einem tiefen Tal. „Nur nicht querlegen! Bitte! Ich flehe dich an! Dann ist es aus!“ Mit angstvollem Blick wandert sein Auge hinauf zu dem Kamm der Welleberges: „Jetzt nicht brechen, du Ausgeburt der Hölle – tu es nicht!“ Seine Füße finden kaum mehr halt und das Deck scheint fast senkrecht zu stehen, als mit einem Ruck die wie verrückt durchdrehenden Schrauben plötzlich wieder Materie fassen. Der bergende Leib des Schiffes hatte ein Einsehen gehabt und sich scheinbar entschlossen der Crew beizustehen. Mit Macht treibt es den vermeintlichen Sarg aus Stahl bergan. Die Zinnen sind fast erreicht und schließlich kippt der Rumpf über die Gipfellinie. Ein letztes Aufstöhnen der Maschinen, als die „Natascha“ wieder aufklatscht und ihr Heck in die Höhe reckt, die Schrauben ein letztes Mal nur in Luft greifen. Hartgesottene, gebräunte Männer sehen sich mit tränenroten Augen an und umarmen sich, während sie dem Albtraum nachsehen, der sich rasch von ihnen entfernt, um in der Ferne zu verschwinden. Keine 30 Sekunden hat der Spuk gedauert und doch war es wie ein ganzes Leben. Unschuldig breitet sich das grün-graue Wasser kaum bewegt vor ihnen aus. Die Sonne wärmt ihre Gesichter.
Sie haben ihn gesehen und überlebt – den Kavenzmann!
 
 Alexa-Adrian-Art
03.07.2009 12:01

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